»Speziesismus« ist wie eine unsichtbare Grenze, die zwischen verschiedenen Lebewesen gezogen wird. [1] Geprägt wurde dieser Begriff von Psychologe Richard Ryder im Jahr 1970 und wurde Jahre später durch Ethiker Peter Singer populär gemacht. [2] Es beschreibt die Annahme, dass der Mensch allen anderen Lebewesen überlegen ist und daher das Recht hat, sie frei nach eigenem Nutzen zu bewerten und zu verwerten. Auf dieser Annahme basiert unser gesamtes aktuelles System der Tierindustrie. Außerdem wird auch zwischen verschiedenen nicht-menschlichen Spezies stark unterschieden. Einen moralischen Wert wird zum Beispiel Haustieren oder stark individualisierten Tieren zugesprochen.
Die Diskrepanz zeigt sich darin, dass Schweine oder Hühner in Fabriken gesperrt werden, während Hunden und Katzen eine hohe Empfindsamkeit zugesprochen- oder sie gesetzlich strenger geschützt werden, obwohl alle biologisch gesehen gleichermaßen empfindungsfähig sind. [3]
Die systematische Abwertung spiegelt sich unter Anderem in der institutionellen Sprache der Agrarwirtschaft wider. Hier wird Speziesismus durch Objektifizierungen und Euphemismen (Beschönigungen) sichtbar: Die Sprache der Tierhaltung entzieht einem Tier seine Subjektivität und reduziert es auf ökonomische und technische Begriffe.
Disclaimer
Wer Speziesismus aufdecken will, sollte der Wahrheit ins Gesicht sehen. Deshalb arbeitet dieses Projekt größtenteils mit den dokumentarischen Aufnahmen von ARIWA (Animal Rights Watch e.V.). Da die Seiten zum Teil verletzte und tote Individuen zeigen, erfordern manche Inhalte viel Kraft. Achte beim Betrachten auf deine eigenen Grenzen.

»Abferkeln« beschreibt den Geburtsvorgang eines Schweins. Ein Wurf umfasst 10-12 Ferkel, wovon einige nicht überleben.

»Abgang« beschreibt das Ausscheiden eines Tieres aus einem landwirtschaftlichen Betrieb bzw. dem Herdenbestand.

Bei der »Anbindehaltung« werden Tiere an einem festen Platz im Stall fixiert. Die Fixierung erfolgt über Halsgurte, Ketten oder Rahmenkonstruktionen.

Das Wort »artgerecht« beschreibt eine Form der Tierhaltung, die sich an den natürlichen Verhaltensweisen und Bedürfnissen einer Tierart orientiert. Dazu gehört zum Beispiel das arteigene Sozialverhalten, die Fortbewegung oder die Nahrungsaufnahme.

Das »Besamen« beschreibt in der landwirtschaftlichen Tierzucht die künstliche Befruchtung eines weiblichen »Nutztieres«.

Die »Besatzdichte« beschreibt die Anzahl von »Nutztieren«, die sich zu einem bestimmten Zeitpunkt auf einer definierten landwirtschaftlichen Fläche befinden. In geschlossenen Mastställen wird diese meist in Kilogramm Lebendmasse pro Quadratmeter berechnet.

Unter dem Begriff »Beschäftigungsmaterial« werden in der »Nutztierhaltung« organische Stoffe oder Gegenstände verstanden, die den Tieren dauerhaft zur Verfügung stehen um das angeborene Erkundungs- und Spielverhalten zu fördern.

»Federpicken« ist eine spezifische Verhaltensstörung von Hühnern in der Geflügelindustrie. Bei dieser Störung bepicken Hühner ihre Artgenossen oder rupfen ihnen Federn aus.

Die »Fleischproduktion« ist ein tragender Sektor der globalen Agrar- und Nahrungsmittelindustrie. Sie umfasst die Phasen der Aufzucht, Schlachtung und industriellen Verarbeitung von Nutztieren, um tierische Proteine als Lebensmittel für den Markt bereitzustellen.

Eine »Gondel« beschreibt im Kontext der »Nutztierhaltung« und Schlachtung einen Fahrkorb, in dem Schweine in Gruppen von zwei bis acht Tieren in eine Betäubungsgrube hinabgelassen werden. Innerhalb dieses Systems bleiben die Tiere in einer hochkonzentrierten Kohlenstoffdioxid-Atmosphäre (CO2), bis sie das Bewusstsein verlieren.

Als »Hochleistungskuh« wird ein Rind bezeichnet, das auf eine extrem hohe Milchmenge gezüchtet wurde. Die biologische Namensgebung ist an die Mutterschaft gekoppelt: Erst mit der Geburt des ersten Kalbes wird das Jungrind zur Kuh.

Der Begriff »Humanes Schlachten« beschreibt die Vorstellung, dass Nutztiere für den Fleischkonsum schnell, schmerzfrei und ohne Stress getötet werden.

Ein Hybridhuhn ist ein speziell auf Höchstleistung gezüchtetes Nutztier in der modernen Landwirtschaft.

Unter »Intensivtierhaltung« versteht man eine hochmechanisierte und stark wirtschaftlich orientierte Form der landwirtschaftlichen »Nutztierhaltung«, die auf eine maximale Ertragssteigerung bei hohen Besatzdichten abzielt.

Unter »Keulung« versteht man in der Tierindustrie das amtlich angeordnete, gezielte und oftmals massenhafte Töten von »Nutztieren«.

Als »Nutztier« wird ein meist domestiziertes Tier bezeichnet, das vom Menschen aus wirtschaftlichen, ästhetischen oder kulturellen Gründen gehalten wird.

Die Schlachtreife bezeichnet in der Landwirtschaft den Zeitpunkt, an dem ein Nutztier das optimale Alter beziehungsweise das ideale Gewicht für die Fleischproduktion erreicht hat.

Ein »Spaltenboden« ist ein vorwiegend in der konventionellen Intensivtierhaltung eingesetzter Stallboden, der aus Betonplatten mit gleichmäßigen Schlitzen besteht. Durch diese Perforation fallen Kot und Harn der Tiere direkt in einen darunterliegenden Güllekanal.

Ein »Tiertransport« bezeichnet die Beförderung lebender landwirtschaftlicher »Nutztiere« zwischen verschiedenen Betrieben oder zum Schlachthof. Diese Fahrten sind ein fester Bestandteil der modernen Agrarwirtschaft, da Zucht, Aufzucht, Mast und Schlachtung heute meist an räumlich getrennten Standorten stattfinden.

Eine »Veredelung« beschreibt in der Landwirtschaft die Umwandlung von pflanzlichen Agrarprodukten in tierische Erzeugnisse wie Fleisch, Milch oder Eier.
Sprache ist ein mächtiges Werkzeug, da sie maßgeblich bestimmt, wie wir unsere Umwelt wahrnehmen und strukturieren. Sprache hat Macht, weil sie nicht nur die Wirklichkeit beschreibt, sondern sie aktiv mitformt: Die Art und Weise, wie wir über Tiere sprechen, beeinflusst direkt unseren moralischen Umgang mit ihnen. In unserer Sprache sind tief verwurzelte, oft unbewusste Abwertungen verankert, die nicht-menschliche Tiere zu reinen Objekten oder Nutzgütern degradieren – man spricht etwa von »Nutztieren«, »Schlachtvieh« oder davon, dass Tiere »produziert« werden. Diese sprachliche Objektivierung schafft eine psychologische Distanz und legitimiert Ausbeutungsprozesse, da sie den Blick auf das fühlende Individuum verstellt. Für die Tierrechtsbewegung ist der bewusste Wandel dieser Begrifflichkeiten daher ein wichtiger Hebel, um gesellschaftliche Denkmuster aufzubrechen. Nur durch eine gewaltfreie, empathische Sprache lässt sich das gesellschaftliche Fundament für ein neues, gerechteres Menschen-Tiere-Verhältnis legen.
Diese und viele weitere Wörter zeigen, wie weit die systematische Ausbeutung bereits fortgeschritten ist. Tierschutzreformen lösen das ethische Problem nicht. Das Ziel kann nicht eine »humanere Ausbeutung« sein, sondern nur das Ende der Ausbeutung selbst. Um den Tieren ihr grundlegendes Recht auf Leben zurückzugeben, braucht es keine moralische Perfektion, sondern den Mut, im Rahmen der eigenen Möglichkeiten zu handeln. Jede Veränderung beginnt mit konkreten, machbaren Schritten. Im Folgenden sind einige Beispiele aufgelistet.
1. Konsum stoppen
Der direkteste Weg, diesem System die Grundlage zu nehmen, ist der Verzicht auf tierische Lebensmittel.
2. Sichtbar machen
Sich selbst und andere informieren, zum Beispiel durch Aufklärung oder Aktivismus.
3. Ortsgruppen beitreten
Lokale Gruppen und Stammtische bieten Austausch und Rückhalt.
4. Aktiv werden (Politik)
Petitionen unterschreiben, politische Kampagnen unterstützen oder direkt Abgeordnete im eigenen Wahlkreis anschreiben.
5. Lebenshöfe unterstützen
Denn dort dürfen gerettete ehemalige »Nutztiere« einfach leben. Sie sind allerdings auf Spenden und Patenschaften angewiesen.